COLDEMAR-Newsletter
7/11/2026
Wir starten ins Jahr 2026 mit einer Stärkung der Meeres- und interkontinentalen Forschung. Wir heißen Sie herzlich willkommen zur ersten Ausgabe unseres Newsletters im Jahr 2026.
Förderung der Meeresforschung durch Zusammenarbeit, Kapazitätsaufbau und Innovation

Das erste Halbjahr 2026 stellte einen wichtigen Meilenstein bei der Etablierung von COLDEMAR als kolumbianisch-deutsche Plattform für die Forschung zur tropischen marinen Biodiversität und zum Klimawandel dar. Drei wesentliche Erfolge prägten diesen Zeitraum:
- Die erfolgreiche Durchführung des ersten integrativen COLDEMAR-Workshops in Kolumbien.
- Die Organisation der Schule für mathematische Modellierung in den Bereichen Meeresökologie, Fischerei und Klima.
- Die Ausschreibung der ersten COLDEMAR-Startkapitalrunde und die Entwicklung des BioFLUX-Pilotforschungsprogramms.
Gemeinsam haben diese Initiativen die wissenschaftliche Zusammenarbeit gestärkt, Forschungskapazitäten ausgebaut und die Grundlage für künftige Projekte geschaffen, die sich mit den zentralen Herausforderungen für die Küsten- und Meeresökosysteme Kolumbiens befassen.
Von der Strategie zur Praxis: Erster integrativer COLDEMAR-Workshop in Kolumbien

Der erste COLDEMAR-Workshop brachte Forscher der Universidad del Valle (INCIMAR), des Leibniz-Zentrums für tropische Meeresforschung (ZMT), Umweltbehörden, Nichtregierungsorganisationen, Gemeinschaftsorganisationen und lokale Interessengruppen auf einer zweiwöchigen Reise entlang der kolumbianischen Pazifik- und Karibikküste zusammen. Der Workshop war nicht nur als wissenschaftliche Tagung konzipiert, sondern auch als Gelegenheit, gemeinsam eine gemeinsame Vision für die zukünftige Meeresforschung in Kolumbien zu entwickeln. Durch die Kombination von strategischen Diskussionen, Feldbesuchen, der Einbindung von Interessengruppen und interdisziplinärer Planung untersuchten die Teilnehmer, wie die Wissenschaft dazu beitragen kann, den Verlust der Artenvielfalt, die Auswirkungen des Klimawandels, die Verschlechterung der Ökosysteme und sozioökonomische Herausforderungen, von denen Küstengemeinden betroffen sind, anzugehen.
Eine gemeinsame wissenschaftliche Vision entwickeln

Der Workshop begann in Cali, wo die Teilnehmer die Zukunft der Meeres- und Küstenforschung in Kolumbien erörterten und untersuchten, wie COLDEMAR zur Stärkung interdisziplinärer Ansätze beitragen könnte, die ökologische und soziale Dimensionen des Umweltwandels miteinander verknüpfen. Die Forscher besuchten Labore und Forschungseinrichtungen an der Universidad del Valle und führten Diskussionen über Ökosystemvernetzung, Biodiversitätsüberwachung, Fischereidynamik, Hydrologie, Governance-Systeme, Ökosystemleistungen und Klimaschwankungen. Aus diesen Diskussionen ergab sich eine zentrale Schlussfolgerung: Um Küstenökosysteme zu verstehen, muss man über isolierte disziplinäre Perspektiven hinausgehen und integrierte sozioökologische Ansätze verfolgen, die sowohl ökologische Prozesse als auch menschliche Aktivitäten berücksichtigen. Die Teilnehmer entwickelten zudem erste Konzepte für zukünftige Kooperationsprojekte und identifizierten Möglichkeiten für internationale Finanzierung und wissenschaftliche Zusammenarbeit.
Wissenschaft, Gemeinschaften und Küstenökosysteme miteinander verbinden

Im Rahmen des Feldteils des Workshops besuchten die Teilnehmer Nuquí am Golf von Tribugá sowie die Insel San Andrés im Biosphärenreservat Seaflower, wo sie sich mit lokalen Umweltbehörden, Nichtregierungsorganisationen, Gemeinschaftsorganisationen, Fischereiverbänden und Naturschutzfachleuten trafen. Exkursionen zu Mangrovenwäldern, Fels- und Korallenriffen, Seegraswiesen und anderen Küstenökosystemen vermittelten einen direkten Einblick in den ökologischen Reichtum der Regionen sowie in die sozio-ökologischen Herausforderungen, darunter Klimaschwankungen, touristischer Druck und Umweltzerstörung. An beiden Standorten identifizierten die Teilnehmer die Vernetzung von Ökosystemen, den Erhalt der Biodiversität und die Anpassung der Gemeinden als zentrale Forschungsschwerpunkte. Der Austausch unterstrich zudem die Bedeutung der Verknüpfung wissenschaftlicher Forschung mit lokalem Wissen und partizipativen Naturschutzansätzen, wobei lokale Gemeinschaften als wesentliche Partner bei der gemeinsamen Wissensgenerierung, der langfristigen Umweltüberwachung und der Verantwortung für Ökosysteme anerkannt wurden. Die Teilnehmer identifizierten darüber hinaus Möglichkeiten für COLDEMAR, die Zusammenarbeit zwischen bestehenden Initiativen zu stärken und interdisziplinäre Forschung zu unterstützen, um Naturschutz und Management zu fördern.
Kompetenzaufbau: Investitionen in die nächste Generation von Meereswissenschaftlern

Nur wenige Tage nach Abschluss des Workshops startete COLDEMAR seine erste Fortbildungsmaßnahme für Nachwuchswissenschaftler: die „Mathematical Modelling School for Marine Ecology, Fisheries and Climate“. An dem Kurs nahmen 18 Nachwuchswissenschaftler (15 aus Kolumbien und 3 aus Deutschland) an einem ländlichen Ort abseits der Stadt teil, wodurch ein immersives Umfeld geschaffen wurde, das die uneingeschränkte Teilnahme am einwöchigen Programm förderte und den wissenschaftlichen Austausch begünstigte. Ziel der Schule war es, die quantitativen und analytischen Fähigkeiten der Teilnehmer zu stärken und ihnen gleichzeitig Modellierungsansätze zum Verständnis komplexer Umweltsysteme näherzubringen.
Während der gesamten Woche erhielten die ECR-Teilnehmer eine intensive Schulung zu folgenden Themen: Klassische ökologische Modelle; Dynamik zwischen Raubtieren und Beutetieren; Modellierung von Plankton-Ökosystemen; Klimamodellierung; Analyse komplexer Systeme; agentenbasierte Modelle (ABMs); sowie Python-basierte Modellierungsanwendungen. Der Kurs verband Vorlesungen, praktische Übungen, Gruppendiskussionen und praxisorientierte Computerlabore, sodass die Teilnehmer theoretische Konzepte direkt auf reale ökologische und klimabezogene Fragestellungen anwenden konnten.
Warum Modellierung wichtig ist
Da Umweltsysteme immer komplexer werden und der Klimawandel ökologische Prozesse kontinuierlich verändert, ist die mathematische Modellierung zu einem unverzichtbaren Instrument geworden, um Zukunftsszenarien zu verstehen und eine evidenzbasierte Entscheidungsfindung zu unterstützen. Durch die Stärkung der Modellierungskompetenzen junger Forscher trägt COLDEMAR zum Aufbau wissenschaftlicher Kapazitäten bei, mit denen sich neue Herausforderungen in den Bereichen Meeresschutz, Fischereimanagement, Ökosystemüberwachung und Klimaanpassung bewältigen lassen. Über die fachliche Ausbildung hinaus förderte die Schule auch die Vernetzung zwischen Studierenden und Forschenden und schuf so neue Möglichkeiten für Zusammenarbeit, gemeinsame Betreuung und künftigen Forschungsaustausch zwischen Kolumbien und Deutschland. Die Veranstaltung stellt eine wichtige Investition in Humankapital dar und spiegelt das Engagement von COLDEMAR wider, die nächste Generation von Wissenschaftlern zu unterstützen, die sich mit mariner Biodiversität und Klimawandel befassen.
Von der Idee zur Umsetzung: Start der Ausschreibung für die Finanzierung von COLDEMAR-Pilotprojekten

Eines der wichtigsten Ergebnisse des Workshops war die Entwicklung gemeinsamer Forschungsideen. Um deren Umsetzung zu unterstützen, startete COLDEMAR im ersten Halbjahr 2026 seine erste Ausschreibung für Startkapital zur Förderung von Pilotprojekten, wobei der Schwerpunkt auf dem Golf von Tribugá an der kolumbianischen Pazifikküste lag. Die Resonanz der Forscher übertraf alle Erwartungen; insgesamt wurden zehn Projektvorschläge eingereicht, die ein breites Spektrum wissenschaftlicher Themen abdeckten und die Vielfalt der Fachkenntnisse innerhalb des Konsortiums widerspiegelten. Sechs Vorschläge konzentrierten sich auf biogeochemische und ökologische Prozesse, darunter: Kohlenstoffdynamik, Funktionsweise von Ökosystemen, biophysikalische Prozesse an der Küste sowie die Verbindung zwischen Land und Meer. Die vier übrigen Vorschläge befassten sich mit sozioökonomischen Aspekten, darunter: Governance-Systeme, Lebensgrundlagen der Bevölkerung, Umweltgerechtigkeit, Anpassung und Resilienz.
Aufbau eines gemeinsamen Forschungsprogramms
Anstatt die Vorschläge als konkurrierende Initiativen zu bewerten, verfolgte COLDEMAR einen innovativen kooperativen Ansatz, der sich an den während des Workshops erarbeiteten Empfehlungen orientierte, und die zehn Vorschläge wurden in einen einzigen interdisziplinären Forschungsrahmen integriert, der unter folgendem Namen bekannt ist: Land-Meer-Flüsse, Biodiversität und Ökosystemfunktionen während eines beispiellosen ENSO-Ereignisses im Golf von Tribugá, Kolumbien (BioFLUX).
BioFLUX hat zum Ziel, zu verstehen, wie Ökosysteme und Küstengemeinden in einer der wichtigsten Meeresregionen Kolumbiens auf ENSO-Ereignisse und lokale anthropogene Belastungen reagieren. Das Programm gliedert sich in fünf miteinander verknüpfte Arbeitspakete, darunter „Bewertung des Ökosystemzustands“, „Funktionsweise und Nutzen des Ökosystems“, „Konnektivität und Stoffflüsse“, „Menschliches Verhalten und Anpassung“ sowie „Einbindung der Bevölkerung“. Dieses Programm soll die erste gemeinsame Forschungsinitiative von COLDEMAR und eine Plattform für künftige internationale Förderanträge werden. Es sind Feldkampagnen geplant, um die Umweltbedingungen in verschiedenen Phasen des aktuellen ENSO-Ereignisses zu erfassen und so wertvolle wissenschaftliche Erkenntnisse über die Reaktionen der Ökosysteme und die sozioökologischen Dynamiken zu gewinnen.
Ein Blick in die Zukunft
Im zweiten Halbjahr 2026 wird der Schwerpunkt auf dem Übergang von der Planung zur Umsetzung liegen.
Zu den wichtigsten Prioritäten gehören:
- Stellen Sie BioFLUX den lokalen Akteuren im Golf von Tribugá vor
- Start der ersten BioFLUX-Feldkampagnen.
- Stärkung der Zusammenarbeit zwischen den Arbeitspaket-Teams.
- Ausbau der Maßnahmen zur Einbindung der Interessengruppen.
- Unterstützung von Forschungsprojekten von Studierenden.
- Erstellung internationaler Förderanträge.
